0307_RadioZukunft_FernkopieAnlässlich des Festivals “Radio Zukunft. Tage der Audiokunst” in der Berliner Akademie der Künste vom 7. bis 10. März 2013 habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. Mit dem Festivalleiter Oliver Sturm und dem Autoren Heiko Martens gab es in diesem Winter lange Gespräche über die Zukunft des Hörspiels in der digitalen Welt. Heiko hatte schon im November letzten Jahres seine Ideen in dem Text “Medientransformation – Ein Impuls” sehr wortgewandt zum Ausdruck gebracht. Unter dem Titel “Das vernetzte Hörspiel” (PDF) habe ich seine Gedanken weitergesponnen und bin auf “10 Thesen zur Zukunft des akustischen Erzählens” gekommen. Darin stelle ich die grundsätzliche Frage, was wir Radiomacher da eigentlich tun, wenn wir Hörspiele, Features oder akustische Kunst produzieren. Ich bin der Meinung, dass wir akustische Erzähler sind. Wenn wir uns so begreifen, müssen wir uns fragen, unter welchen medialen Bedingungen wir unsere Zuhörer erreichen. Da diese Bedingungen sich gerade radikal verändern, sollten wir akustische Erzähler auf diesen Wandel kreativ reagieren. Ohne Wurzeln im Netz zu schlagen werden akustische Erzählungen keine Zukunft haben. Wie dieses vernetzte Hörspiel aussehen wird, beeinflussen wir heute durch unsere künstlerischen Entscheidungen.

Heiko Martens und ich präsentieren einige unserer Ideen am Freitag, den 8. März, um 14:55 Uhr in der Akademie der Künste unter dem Titel “Digitales Manifest”. Ob wir wirklich ein brauchbares Manifest zustande bringen, kann ich allerdings noch nicht versprechen… Am Samstag dann um 14:00 Uhr stelle ich gemeinsam mit Ingo Kottkamp, Redakteur beim Deutschlandradio Kultur, mein Feature “Pasted! Wir sind die Zukunft der Musik” vor. Für mich ist das Feature ein Beispiel für transmediales Erzählen, welches eine der möglichen Strategien sein kann, mit der sich Hörspiele und Features im vernetzten medialen Raum des Internets integrieren lassen. Wichtig ist mir auch, dass die Inhalte des Features über ein interaktives Interface in sozialen Netzwerken teilbar sind und verlinkt werden können. Dafür habe ich mit Sebastian Hilger von 7talents einen Webplayer entwickelt, der das Feature navigierbar macht und mit vielen zusätzliche Texten und Hintergrundinformationen unterfüttert. Der Webplayer funktioniert übrigens auch sehr gut auf Tablets, da er in HTML5 programmiert wurde. Online gehen wir mit der Seite www.pasted-radio.de ein paar Tage nach dem Festival in der Akademie, aber das Interface wird schon bei der Präsentation am Samstag zu sehen sein. Sobald die Seite freigeschaltet ist, werde ich hier noch einmal darauf hinweisen.

Für alle, die keine Zeit haben, meinen langen Text zu lesen – hier die Tl;dr-Kurzfassung:

Hörspiele, Features, Radiokunst, Reportagen und Lesungen sind akustisches Storytelling. Das akustische Erzählen ist die Kunst des Radios. Das Radio schafft mit der Produktion akustischer Erzählungen kulturelle Güter von bleibendem Wert, deren Währung die Aufmerksamkeit ist. Lineare Sendeschemata werden unter den Bedingungen des Medienwandels zum Feind des Zuhörens. Zeitsouveränes Zuhören kann nur online stattfinden. Das Internet ist kein programmbegleitendes Medium. Es wird zum Medium und der technischen Infrastruktur, über die Radio empfangen wird. Die Medienkonvergenz rechtfertigt daher den Rundfunkbegriff nicht mehr. Um dem sich verändernden Rezeptionsverhalten zu folgen, müssen akustische Erzählungen über das Internet verfügbar gemacht werden: on-demand, und für immer. Dafür ist ein zentrales Internet-Portal für akustische Erzählungen erforderlich. Radio wird zur Plattform, auf der Kontexte hergestellt werden und die Hörer ihr Programm selbst zusammenstellen können. Die Programmurheber müssen für ihre Inhalte angemessen vergütet werden. Das vernetzte Hörspiel ist eine Art des akustischen Erzählens, die erst noch erfunden werden muss, aber eine zeitgemäße Antwort auf den Medienwandel darstellen könnte.

Lese den ganzen Text hier!